Jüdisches Tagesdatum:
14 Shevat 5786

(01/02/2026)

  • Bühne
  • Buch
  • Reise
  • Kunst & Architektur
  • Politik & Gesellschaft
  • Groß in Form
  • Kommentar
  • Podcast

Rembrandt als Dramatiker

Erschienen: 14. Januar 2020
Rembrandt Harmensz van Rijn – Gelehrter im Studierzimmer

Rolle und Kostüm

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt gegenwärtig die Ausstellung >Inside Rembrandt<,  in
deren Zentrum das 1634 gemalte monumentale Bildnis eines Gelehrten aus der Prager Nationalgalerie dem Betrachter wie die Erscheinung aus einer anderen Welt begegnet. In geradezu majestätischer Pose sitzt Rembrandts Mann der Wissenschaft am Schreibtisch. Aus den ungeheuren Stoffmassen des schweren pelzgefütterten Samtmantels ragt das durchgeistigte, sich dem Betrachter als Besucher im Studierzimmer zuwendende Haupt, wie um ihn in den Diskurs über jene Frage einzubinden, die den Gelehrten dringlich beschäftigt und zu deren Lösung der auf dem Tisch aufgeschlagene Foliant nicht ausreicht. Das Gelehrtenhaupt trägt eine Kopfbedeckung, die an das Mitznefet der Hohenpriester am Jerusalemer Tempel erinnert.

Sicher meint das Prager Bildnis weder eine bestimmte Koryphäe noch ein zeitlich fixierbares Kostüm. Des Wissenschaftlers Antlitz wird auf einem Tronie beruhen, einem Studienkopf, zu dessen Modell Rembrandt
heute völlig unbekannte Personen nahm, die meist nichts mit der Profession der Dargestellten zu schaffen hatten, deren Physiognomie der Maler dennoch als besonders prägnant und geeignet empfand, um in bestimmte Rollen zu schlüpfen. So aber, wie Rembrandts Gelehrter in seinem Ornat steckt und mit der
priesterlichen Kopfbedeckung, die ihn weihevoll krönt, schritt keine Leuchte der Wissenschaft jemals einher noch thronte sie in ähnlicher Pracht und Herrlichkeit in der Studierstube.

Kraft seiner Imagination schuf Rembrandt eine Figur für die Bühne, die er auf  der Staffelei
errichtet hatte. Die theatrale Fiktion ist perfekt. Sein Modell mimt einen Gelehrten. Das Kostüm ist Produkt waghalsig kombinierender Phantastik. Die sich in dieser Weise nicht bis zu den tatsächlichen Brettern, die die Welt bedeuten, erstreckte. Dort wurde im klar definierten Zeitkostüm gespielt. Woran Rembrandt
daher den Betrachter teilnehmen lässt, ist ein Stück und dessen Protagonist, wie sie allein auf des Malers Leinwand existieren.

Fortsetzung folgt in einem der nächsten Beiträge.

Vorheriger Beitrag
Vorhang auf für die Zeit nach Kohle und Stahl
Nächster Beitrag
Schwarzer Stoff als rotes Tuch

Neueste Beiträge

Bühne

E.T.A. Hoffmann zum 250. Geburtstag. Dem Auftakt folgend die 1. Lieferung

Erschienen: vor 1 Woche

Als Hoffmann am ersten September 1808 in Bamberg eintrifft, hatte von Soden die Stadt verlassen, um das Würzburger Theater zu…

Bühne

E.T.A. Hoffmann zum 250. Geburtstag. Auftakt

Erschienen: vor 2 Wochen

Wäre der Regierungsrat Hoffmann vor seiner Ankunft im Bamberg des Jahres 1808 gestorben, der Zweiunddreißigjährige würde ein allenfalls…

Kuratierte Beiträge

LONDON REVIEW OF BOOKS

Erschienen: vor 3 Wochen
Der frühe Kouros im New Yorker Metropolitan Museum of Arts ist eine Inkunabel griechisch-archaischen Menschenbildens. Timothy James Clark widmet dem faszinierenden Werk einen Essay. Lesen Sie hier: www.lrb.co.uk/the-paper/v47/n23/t.j.-clark/a-kouros-at-the-met
Kuratierte Beiträge

MADAF

Erschienen: vor 3 Wochen
Avishai Platek hat einen opulenten Bildband über die Laternen in den Kibbuzim geschaffen. Wo man bislang ausschließlich Verstand und Fleiß am Werk dachte, leuchtet unvermittelt Poesie auf. Lesen…
Kuratierte Beiträge

WALLSTEIN VERLAG

Erschienen: vor 3 Wochen
Ob die gegenwärtigen Epochalisierungsmodelle durch neue ersetzt werden sollten, das erörtert der von Barbara Picht und Henning Trüper herausgegebene Band. Der Verlag publiziert ihn als open source. Lesen…

Kategorien

Kuratierte Beiträge 69

Bühne 31

Kunst & Architektur 13

Politik & Gesellschaft 9

Buch 7

Kommentar 6

Reise 5

Tipp 5

Kaminski liest 4

Groß in Form 1

KURATIERTE BEITRÄGE

LONDON REVIEW OF BOOKS

Erschienen: 14 Jan. um 12:41 Uhr
Der frühe Kouros im New Yorker Metropolitan Museum of Arts…
Beitrag lesen

MADAF

Erschienen: 14 Jan. um 12:36 Uhr
Avishai Platek hat einen opulenten Bildband über die Laternen in…
Beitrag lesen

WALLSTEIN VERLAG

Erschienen: 14 Jan. um 12:32 Uhr
Ob die gegenwärtigen Epochalisierungsmodelle durch neue ersetzt werden sollten, das…
Beitrag lesen

JOURNAL OF HISTORIANS OF NETHERLANDISH ART

Erschienen: 14 Jan. um 12:27 Uhr
Das Roundtable-Gespräch verständigt sich über Rang und Bedeutung niederländischer Künstlerinnen…
Beitrag lesen

DOMUS

Erschienen: 14 Jan. um 12:08 Uhr
Die Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum ist ein Hauptwerk spätantiker…
Beitrag lesen

MONOPOL

Erschienen: 2. Juli 2025
Jordan Wolfson möchte künstlerischen Mehrwert aus dem Tausch virtueller Realitäten…
Beitrag lesen

CONCERTI

Erschienen: 2. Juli 2025
Michael Kaminski bespricht Gija Kantschelis Unheil vorausahnende und das Gemüt…
Beitrag lesen

TRANSCRIPT VERLAG

Erschienen: 2. Juli 2025
Das Verlagshaus baut immer wieder auf Open Source. Wunderkammern warten…
Beitrag lesen

HARPER’S MAGAZINE

Erschienen: 2. Juli 2025
Dean Kissicks Essay über die zeitgenössische Kunst hat das Zeug…
Beitrag lesen

BACHMANN-PREIS

Erschienen: 2. Juli 2025
Auch wenn die Siegespalme bereits vergeben wurde, bleibt die Lektüre…
Beitrag lesen

Kontakt

info@kultur-kaminski.de

Rechtliches

Impressum
Datenschutz

 

© 2026 Copyrights by Michael Kaminski. All rights reserved.

 

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Nutzungserlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Seite weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.