Kritische Besichtigung der Lateranbasilika. Teil 1

Den vorgelagerten Riesenplatz schließt eine Schaufront ab, deren Disposition an die akademisch-beflissene Ausführung eines Architekturtraktats denken lässt. Lehrformeln in Leerformeln übersetzende Monumentalität. Die in die Obergeschoss-Arkade eingepasste – von den römischen Triumphbogen abgeleitete – Serliana (bekannt auch als Palladio-Motiv) scheint für eine Benediktionsloggia geschaffen, von der aus der Papst Reliquien weist und seinen Segen erteilt.

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Schwerelose Gotik. Kathedrale Saint-Etienne.

Lothringischer Finanzplatz

Auf einer Anhöhe über der Mosel ragt die Saint Etienne (dem hl. Stephan also) geweihte überaus elegante gotische Kathedrale. Das Äußere der Metzer Bischofskirche gibt sich grazil. Ihr Strebewerk scheint sich vornehm in den Gesamtkörper des Gebäudes zurückzunehmen. Seit der späten römischen Kaiserzeit standen an dieser Stelle christliche Gotteshäuser.

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Der Mondgott Chons mit den Gesichtszügen des jugendlichen Tutanchamun

Der wahre Fluch des Pharaos

Mag sein, die Zukunft liegt in Ausstellungen wie dieser: immersivem Sensationsheischen, virtuellen Welten aus dem Videospiel, darauf zielend, die Leute zu beschwatzen, sie fänden sich in vergangenen Zeiten und Kulturen wieder. Erklärung und Verstehen gelten wenig, Emotionen beinahe alles. So in den Hamburger Gaußhöfen, wo die Show gastiert.

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Adolph Wegelin (1810 – 1881). Der Trierer Dom von Süden

Mehr Licht um hohen Preis

Ein Raketentreffer aus einem der Kuriengärten legte am 17. August 1717 den Dachstuhl der Kathedrale in Trümmer. Die Bediensteten der Domherren hatten sich feiernd der barocken Lust am Feuerwerk ergeben. Eines der Geschosse war auf die falsche Bahn geraten und sorgte für jenes Fanal, das zu weitaus erheblicheren Eingriffen in die Substanz der Trierer Bischofskirche führte, als nötig gewesen wären, um lediglich deren Dach neu aufzurichten.

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Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Großes Haus © Silke Winkler

Wölfe und Weltkulturerbe

Unter die Schatten spendenden Bogenstellungen des dem Haupteingang zum Schweriner Staatstheater vorgelagerten Altans hat sich ein Rollstuhlfahrer vor der Sommerhitze geflüchtet. Der Mann in fortgeschrittenen Jahren erweist sich als unaufdringlich kommunikativ und mit allerhand Hinweisen auf Öffnungszeiten und Spielstätten gefällig.

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Rembrandt als Dramatiker (Fortsetzung)

Von allein versteht sich die Einbeziehung des dem Wallraf-Richartz-Museum hauseigenen späten, um 1663 entstandenen, Selbstportraits in die Kölner Rembrandt-Ausstellung. Gänzlich verschieden vom geradezu majestätischen Habitus des Prager Gelehrtenbildnisses kommt der übermütige Blick des Malers auf die eigene Person daher.

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Rembrandt Harmensz van Rijn - Gelehrter im Studierzimmer

Rembrandt als Dramatiker

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt gegenwärtig die Ausstellung >Inside Rembrandt<, in deren Zentrum das 1634 gemalte monumentale Bildnis eines Gelehrten aus der Prager Nationalgalerie dem Betrachter wie die Erscheinung aus einer anderen Welt begegnet.

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