Jüdisches
Tagesdatum:

28 Nisan 5786

(15/04/2026)

  • Bühne
  • Buch
  • Reise
  • Kunst & Architektur
  • Politik & Gesellschaft
  • Groß in Form
  • Kommentar
  • Podcast
  • Videos

Herr Fritz – Philharmoniker und Hausmeister

Erschienen: 10. Mai 2021
Vom Hunde bewacht. Victor Stein auf Recherchereise.

Victor Stein über sein Stück „Herr Fritz“ im Interview mit Michael Kaminski

MK: Herr Stein, bitte erzählen Sie uns in drei Sätzen den Inhalt Ihres Stückes.

VS: Sie müssen lediglich ein Theater schließen und ein Orchester liquidieren, schon sind Sie mitten im Thema. Konzertmeister Klaus Fritz findet sich als Schulhausmeister wieder.

MK: Klingt an den Haaren herbeigezogen.

VS: Mein Stück beruht auf Tatsachen. Klaus Fritz existiert in Fleisch und Blut.

MK: Möchten Sie das näher erklären?

VS: Nein.

MK: Sie nennen „Herrn Fritz“ ein „Leselustspiel“. Eine seltsame Gattungsbezeichnung.

VS: Eine einzigartige.

MK: Was hat es damit auf sich?

VS: Mein Stück ist nicht für die Bühne geschrieben. Die Komödie spielt sich im Kopf ab.

MK: Misstrauen Sie unseren Staats- und Stadttheatern?

VS: Nicht im Geringsten. Ich baue auf diese leistungsfähigen Institutionen.

MK: Aber Sie selbst zieht es nicht dorthin?

VS: Mit diesem Stück nicht.

MK: Das müssen Sie erklären.

VS: „Herr Fritz“ spielt  n a c h  der Schließung eines Theaters. Mein Leselustspiel in einem noch existierenden Haus aufzuführen, trägt den Widerspruch in sich.

MK: Ich denke, es kommt eher darauf an, welche imaginativen Kräfte Stück und Produktion beim Publikum freisetzen.

VS: Meinethalben soll ein Theater sich daran versuchen. Es wird scheitern.

MK: (Wartet ab.)

Cover „Herr Fritz“

VS: Der Theatertod im Stück wird als pars pro toto aufgefasst werden. Die Häuser werden sich betroffen fühlen. Welches von ihnen wird schon freiwillig die Möglichkeit seines Scheiterns thematisieren? Ich kann das den Theatern nicht einmal verübeln.

MK: Hat die Pandemiesituation dafür Bedeutung?

VS: Sie wird den Unwillen verstärken. Ich betone noch einmal, begreiflicher Weise. Besonders fürchte ich für die kleinen Häuser und Orchester, solche, in denen meine Titelfigur Dienst tat.

MK: Sehen Sie nicht auch einen Hinderungsgrund für Ihr Stück in dem, was Ihre Titelfigur von sich gibt? Sie selbst bezeichnen „Herrn Fritz“ im Untertitel als „einen alternden weißen und heterosexuellen Mann“.

VS: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine solche Orientierung meiner Titelfigur – es handelt sich um Positionen, die ich durchaus kritisch sehe – den Ausschlag geben könnte. Hierzulande sind die Theater Orte freier Diskurse.

MK: Hinter vorgehaltener Hand ist bereits die Rede von Frauenfeindlichkeit.

VS: Du liebe Zeit. Da muss die Bereitschaft zu vorsätzlichem Missverständnis und zur Empörung aber groß sein. Ich nehme auf solche Gemütslagen keine Rücksicht.

MK: Sie messen Ihr Schreiben nicht an dessen Sensibilität für Genderfragen?

VS: Mein Schreiben bestimmt sich aus der Empfindung für den homo sapiens sapiens, eine gefährdete Spezies. Das gilt gleichermaßen für deren weiblichen und männlichen Teil.

MK: Sie widmen das Stück dem Vorbild für Ihre Titelfigur.

VS: Klaus Fritz.

MK: Wie viel vom Original steckt im „Leselustspiel“?

VS: Klaus, wie er noch immer in seiner einstigen Dienstwohnung neben der vor kurzem abgerissenen Schule lebt, ist ein Original, „Herr Fritz“ ebenso. Der eine ist es in Fleisch und Blut, der andere im Hirn jeder Leserin und jedes Lesers.

MK: Was sind Ihre Pläne?

VS: Ende Mai erscheint „Hermann“, ein Stück nicht allein über den Cherusker.

MK: Wieder eines ausschließlich für die Bühne im Kopf?

VS: Sie sagen es, ein „Lesespektakel“. Während der Schlacht im Teutoburger Wald zünden die Synapsen zur vollen Breitseite. Der einzige Artilleriebeschuss, der mir behagt. Ich bin ein friedlicher Mensch.

Vorheriger Beitrag
Versuch über Rossini: Schluss
Nächster Beitrag
Vom Stürmer und Dränger zum katholischen Idol

Neueste Beiträge

Kommentar

Kulturminister auf Abruf

Erschienen: vor 3 Stunden

Gut, die Solidaritätsbekundungen Kunstschaffender, deren modische Vorlieben, Habitus und politische Auffassungen jenen…

Tipp

Denkmal für den Meininger Theaterherzog

Erschienen: vor 1 Tag

In Meiningen ist Georgsjahr. Bis heute zeigt sich das einstige Residenzstädtchen vom Theater geprägt. Dank Georg II. (1826 bis…

Kaminski liest

Salzmann, Sasha Marianna: Danja, mein dementes Jahrhundert. Frankfurt a.M. 2025

Erschienen: vor 1 Tag

Die kleine, aber durchaus mit Forderndem für sich einnehmende Buchhandlung „in“ der Mecklenburgischen Seenplatte ließ…

Kuratierte Beiträge

KUNSTGESCHICHTE

Erschienen: vor 2 Tagen
Benjamin Thum geht in der Regensburger Online-Zeitschrift den italienischen Einflüssen auf das Werk Gerhard Richters nach. Lesen Sie hier: www.kunstgeschichte-ejournal.net/631/
Kuratierte Beiträge

VOLLTEXT

Erschienen: vor 2 Tagen
Der Auszug aus dem neuen Roman des Autors lässt einen vom ersten Weltkrieg verschonten jungen Mann auf drei kriegsversehrte Altersgenossen treffen. Lesen Sie hier: www.volltext.net/texte/norbert-gstrein-im-ersten-licht/

Kategorien

Kuratierte Beiträge 74

Bühne 33

Kunst & Architektur 13

Politik & Gesellschaft 10

Buch 7

Kommentar 7

Tipp 6

Kaminski liest 5

Reise 5

Groß in Form 1

KURATIERTE BEITRÄGE

KUNSTGESCHICHTE

Erschienen: 13 Apr. um 20:37 Uhr
Benjamin Thum geht in der Regensburger Online-Zeitschrift den italienischen Einflüssen…
Beitrag lesen

VOLLTEXT

Erschienen: 13 Apr. um 20:35 Uhr
Der Auszug aus dem neuen Roman des Autors lässt einen…
Beitrag lesen

GRÜNE BUNDESTAGSFRAKTION

Erschienen: 13 Apr. um 20:34 Uhr
Der Antrag auf Förderung der Muslime in Deutschland ist ein…
Beitrag lesen

JÜDISCHE ALLGEMEINE

Erschienen: 13 Apr. um 20:32 Uhr
Die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtete Schriftstellerin Iryna Fingerova…
Beitrag lesen

CONCERTI

Erschienen: 13 Apr. um 20:26 Uhr
Markus Lüpertz bestückt Wagners „Rheingold“ mit seiner die boshafte Komödie…
Beitrag lesen

LONDON REVIEW OF BOOKS

Erschienen: 14 Jan. um 12:41 Uhr
Der frühe Kouros im New Yorker Metropolitan Museum of Arts…
Beitrag lesen

MADAF

Erschienen: 14 Jan. um 12:36 Uhr
Avishai Platek hat einen opulenten Bildband über die Laternen in…
Beitrag lesen

WALLSTEIN VERLAG

Erschienen: 14 Jan. um 12:32 Uhr
Ob die gegenwärtigen Epochalisierungsmodelle durch neue ersetzt werden sollten, das…
Beitrag lesen

JOURNAL OF HISTORIANS OF NETHERLANDISH ART

Erschienen: 14 Jan. um 12:27 Uhr
Das Roundtable-Gespräch verständigt sich über Rang und Bedeutung niederländischer Künstlerinnen…
Beitrag lesen

DOMUS

Erschienen: 14 Jan. um 12:08 Uhr
Die Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum ist ein Hauptwerk spätantiker…
Beitrag lesen

Kontakt

info@kultur-kaminski.de

Rechtliches

Impressum
Datenschutz

 

© 2026 Copyrights by Michael Kaminski. All rights reserved.

 

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Nutzungserlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Seite weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.