Die kleine, aber durchaus mit Forderndem für sich einnehmende Buchhandlung „in“ der Mecklenburgischen Seenplatte ließ mich unter anderem zu Salzmanns jüngstem Stück greifen. Einem Monolog, in dem die Ich-Erzählerin ihren Großvater Danja in dessen letzter Lebensphase begleitet. Eingefügt finden sich Zitate des bettlägerigen Greises, der sich während des zweiten Weltkrieges mit seiner Familie im Wald verstecken musste, die antisemitischen Schikanen der Stalinzeit aushielt, den Überfall Russlands auf die Ukraine noch mitbekommt und das von der Hamas an Israelis angerichtete Massaker vom Oktober 2023. Messerscharfe Geschichtsblitze fahren in den Körper des Moribundus. Immer neu wecken sie seinen von Kindheit an trainierten Überlebenswillen. Ein Jahrhundert, das Erinnerungskultur allenfalls vorschiebt, um desto skrupelloser vergessen zu können, beschämt er durch seinen vielfach perspektivierten Blick auf Verfolgung, Krieg und Terror.
Dem Stück sind im Anhang drei wenig aufregende Reden Salzmanns beigegeben, denen immerhin die starke biographische und autobiographische Prägung des 2024 bei den Salzburger Festspielen in einer szenischen Lesung uraufgeführten Stücks zu entnehmen ist. Die Fotos von Danjas Hochzeit zeigen einen grundsympathischen, körperlich tüchtigen und geistig regen Mann. Jemanden, der das Leben kennt und ihm ohne Verlust an Menschlichkeit gewachsen ist. Salzmann ersinnt durchaus eindringliche Bilder. So, wenn Danja der Pudding zwischen den Zähnen hervorrinnt wie die Erinnerung aus seinem Geist. Über weite Strecken aber setzt sich jene versierte – durchaus wirkungssichere – Schreibe durch, wie sie in den Studiengängen für Szenisches Schreiben gelehrt wird.



