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In der nordwestdeutschen Kleinstadtbuchhandlung mit gediegenem Sortiment blätterte ich mich durch das Werk ohne Gattungsbezeichnung. Der erzählerische Gestus der geschliffenen Sätze, die in suggestive Reisebilder eingeschriebenen Geschehen ließen mich einen veritablen Roman vermuten. Hätte ich weitergeblättert, wäre Ernüchterung gefolgt. „Das Lieben danach“ ist eine jener Autofiktionen im Gefolge von Annie Ernaux‘ literarischen Steilvorlagen. Epigonal.
Sicher verdient die Autorin Mitgefühl und Solidarität. Als Kind von einem Freund der Familie sexuell missbraucht und vom Wegschauen der Eltern im Stich gelassen, okkupiert das Verbrechen unabweisbar die Liebesbeziehungen des Opfers. Schwer, da jene Distanz zu finden, die es braucht, um aus intimsten Verletzungen Literatur erstehen zu lassen. Allzu bald verliert sich deshalb in „Das Lieben danach“ jenes Abstandsgebot zwar nicht völlig, mündet aber – falls doch einmal beachtet – in die Binsenweisheiten dessen, was der Buchmarkt unter den Rubriken Selbsterfahrung und Ratgeber anbietet.
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